Afghanistan-Museum
Retten-Bewahren-Zeigen-Rückführen
Aufgabe
Der Hauptzweck des Museums ist die Bewahrung afghanischer Kulturgüter vor der Zerstörung durch Krieg und Plünderung.
Bis in Afghanistan ein dauerhafter Friede erreicht ist, sollen archäologische Fundstücke, Kunsthandwerk,
Bild- und Tondokumente, aber auch Gegenstände des Alltags wie Möbel, Kleidungsstücke oder Wasserpfeifen im
Afghanistan-Museum im Exil ein sicheres Exil finden. Sobald es die Umstände gestatten, wird die gesamte
Sammlung des Museums unter der Schirmherrschaft der UNESCO nach Afghanistan zurückgebracht werden.
Damit leistet das Afghanistan-Museum einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der afghanischen Kultur im allgemeinen.
Nach 23 Jahren Krieg sind in Afghanistan nicht nur die materiellen Kulturgüter weitgehend zerstört oder verschwunden;
auch die gelebte Alltagskultur mit ihren Traditionen und kleinen Besonderheiten hat grossen Schaden erlitten.
Das Museum sammelt deshalb bewußt auch ganz alltägliche Gegenstände, die eines Tages einer im Krieg aufgewachsenen
Generation von Afghaninnen und Afghanen einen Eindruck von ihrer Heimat in unversehrtem Zustand vermitteln sollen.
Durch die Ausstellung seiner Sammlung in der Schweiz kann das Museum der schweizerischen und europäischen Öffentlichkeit
einen Einblick in die afghanische Kultur und Geschichte bieten. Damit trägt es zu einem Rückhalt für ein dauerhaftes
europäisches Engagement im afghanischen Wiederaufbauprozeß bei.
Das Museum darf keine Gegenstände ankaufen. Es handelt sich bei den Exponaten also ausschließlich um Geschenke, die dem Museum
zur treuhänderischen Aufbewahrung übergeben werden, bis sie nach Afghanistan zurückgebracht werden können.
Gründungsdeklaration
Guidelines
Geschichte
Die Idee zu einem Afghanistan-Museum im Exil wurde im Sommer 1998 von afghanischen Persönlichkeiten an Paul Bucherer-Dietschi,
den Direktor des Afghanistan-Institutes, herangetragen. Im Laufe von Gesprächen mit Vertretern verschiedener politischer
Faktionen, insbesondere den Taleban in Kandahar und Kabul und Führungspersönlichkeiten der Nord-Allianz in Masar-e Sharif und
im Panjshir-Tal kristallisierte sich der Wunsch aller Kriegsparteien nach einem sicheren Aufbewahrungsort für die vom Krieg
bedrohten Kulturgüter Afghanistans heraus. Immer wieder hieß es:
"Was sollen wir unseren Kindern hinterlassen, wenn alle unsere Schätze, unsere Traditionen und unser Wissen, unsere
gemeinsame Vergangenheit zerstört oder geplündert und in ferne Länder verkauft werden?"
Zunächst war eine Angliederung an das Rietberg-Museum in Zürich geplant, jedoch bestanden die Afghanen auf einem
"eigenen" Museum, das den Namen ihres Landes tragen sollte.
Um die afghanischen Kulturgüter steht es in der Tat schlimm: der seit zwanzig Jahren andauernde Krieg hat
massive Zerstörungen angerichtet; das Kabuler Museum ist von den verschiedenen Kriegsparteien wiederholt geplündert worden,
die Taleban gingen speziell gegen nicht-islamische Kunstwerke vor; die notleidende Bevölkerung unternahm Raubgrabungen im
ganzen Land und verkaufte die Fundstücke ins Ausland.
An einem Treffen im Herbst 1998 mit Präsident Rabbani, Vertretern der Nord-Allianz und Vertretern der Taleban einigte man sich
schließlich auf die Schweiz als Exilland für die bedrohten Schätze. Alle Kriegsparteien erklärten sich bereit, das Museum zu
unterstützen und damit schon während der Kriegsjahre auch in den Wiederaufbau zu investieren. Eine mögliche Rolle des Museums
als Fokuspunkt für Afghanen im europäischen Exil wurde ebenfalls begrüßt.
Die Stiftung BIBLIOTHECA AFGHANICA zeichnete für die Umsetzung dieser afghanischen Idee in der Schweiz verantwortlich.
Bald wurde im basellandschaftlichen Bubendorf eine passende Liegenschaft gefunden, in der nicht nur das neue Museum, sondern
auch das aus allen Nähten platzende Archiv des Afghanistan-Institutes untergebracht werden konnte. Ein in der Schweiz lebender
afghanischer Architekt zeichnete ohne Bezahlung die Pläne für den Umbau; der Bund und der Kanton Basel-Landschaft sprachen erste finanzielle Beiträge.
Am 1. Mai 1999 wurden die Gönner der Stiftung BIBLIOTHECA AFGHANICA und die Presse nach Bubendorf zur Gründungsversammlung des
Museums geladen, an der das Projekt erstmals der schweizerischen Öffentlichkeit vorgestellt wurde. In der Folge konnte das für de
Ankauf der Liegenschaft erforderliche Kapital aufgebracht werden, sodass Umbau und Renovation im Sommer 2000 (vorwiegend
von afghanischen Flüchtlingen in Fronarbeit) an die Hand genommen werden konnte.
Am 7. Oktober 2000 wurden jedoch die ersten sieben Ausstellungsräume des Museums eröffnet.
Im Dezember 2000 stand ein unterirdischer Kulturgüter-Schutzraum zur Aufnahme wertvoller Objekte bereit.
Für den restlichen Ausbau müssen jedoch finanziell rosigere Zeiten abgewartet werden.
Ein Blick ins Museum
Um dem verlust der Kulturgüter Afghanistans entgegen zu wirken, wurde im Oktober 2000 im
Schweizerischen Bubendorf bei Liestal das AFGHANISTAN-MUSEUM IM EXIL eröffnet.
Es zeigt auf zwei Etagen in 20 Vitrinen afghanische Kulturobjekte, die aus der ganzen Welt hier
zusammen gekommen sind, und macht die reiche kulturelle Vergangenheit des zentralasiatischen Landes
bewusst. Das Museum ist zugleich ein sicherer Hort zur vorübergehenden Aufbewahrung des afghanische
kulturellen Erbes. Die Ausstellungsobjekte werden dem Museum von Donatoren aus der ganzen Welt zu
treuen Handen übergeben.
Das Museum geniesst offizielle Anerkennung und Förderung, sowohl durch internationale als auch durch
schweizerische Institutionen. Es pflegt enge Kontakte zu den politischen und kulturellen Kreisen
des afghanischen Staates. Sämtliche im Museum gesammelten Objekte werden, sobald dies die Umstände
gestatten, unter der Schirmherrschaft der UNESCO nach Afghanistan zurück gebracht.
Antiquitäten
Seit Alexander der Grosse im 4. Jh. v. Chr. das Gebiet des heutigen Afghanistan eroberte und in seinen
Garnisonen nicht nur Soldaten, sondern auch griechische Künstler ansiedelte, entwickelte sich die Region
am Hindukusch zur östlichen Bastion des Hellenismus.
Griechisch-römische Kunst beeinflusst in der Gandhara-Kultur die figürliche Darstellung des Buddhismus.
Von Afghanistan aus wirkte sie sowohl nach Indien wie auch über die Seidenstrasse durch Zentralasien
bis nach China und Japan. Im Museum zeugen davon kleine Stein- und Stuck-Buddhas.
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Ein Wasserspeier aus Ai Khanoum in Form eines Hundekopfes stellt vermutlich Peritas, den treuen
Kampfhund Alexanders, dar.
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Historische Objekte
Das Afghanistan-Museum beherbergt wichtige Objekte aus der jüngeren Geschichte Afghanistans. So ist
überliefert, dass der Eiserne Emir Abdur Rahman Khan (1880-1901), der Gründer des modernen Nationalstaats
Afghanistan, mit seinem Stock sämtliche Gesetze, Erlasse und Urteile bestätigte - und diesen auch als
Szepter an seinen Sohn Habibullah Khan weiter gab.
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Gegenstände des täglichen Gebrauchs
Wasserpfeifen, verzinnte Kupferwaren, Möbel, Geschirr, Schmuck, Kosmetikbehälter und andere
Gebrauchsgegenstände geben Einblick in das Leben der verschiedenen Volksgruppen und Gegenden des Landes
sowie in das Weiterleben des traditionellen Kunsthandwerks im afghanischen Alltag.
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Textilien
Weit verbreitet und kulturell hochstehend ist in Afghanistan die Kunst des Teppichknüpfens, wovon
traditionelle und zeitgenössische Objekte zeugen. Das Museum beherbergt zudem wertvolle Geld-,
Schmuck- und Utensilien-Taschen mit Stickereien aus verschiedenen Teilen Afghanistans
sowie aus unterschiedlichen Geweben und Materialien.
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Schrift- und Bilddokumente
Original-Schriftstücke afghanischer Könige, alte Fotografien auf Glasplatten, die vor der Zerstörung
durch islamische Bilderstürmer bewahrt werden konnten, und einige Miniaturen-Malereien mit Szenen aus
dem Nationalepos Shahnameh sind zu bewundern. Den Eingangsbereich schmücken traditionelle handgemalte
Fayence-Kacheln aus Herat.
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Öffnungszeiten & Preise
Seit dem 14. Oktober 2006 ist das Museum geschlossen, die Rückführung der Ausstellungsobjekte nach Afghanistan
hat begonnen.
Anfahrt
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln: SBB ab Basel oder Olten bis Liestal. Von dort Bus
70 bis Station Bubendorf-Unterdorf. Das Museum befindet sich im Ortszentrum von Bubendorf/BL an der
Hauptstrasse 34.
Mit dem Auto: Von Bern/Luzern: Autobahn A2 bis Ausfahrt Diegten, via Hölstein Richtung Liestal.
Von Zürich/Basel/Deutschland: Autobahn A3 bis Ausfahrt Liestal. Hauptstrasse, linke Spur bis Umfahrungsstrasse
Liestal, dann erste Ausfahrt Richtung Solothurn/Waldenburg.
Bitte benützen Sie die Parkplätze auf dem Museums-Areal (nicht auf der Hauptstrasse parkieren).
Essen
Für Gruppen ab 20 Personen arrangieren wir im Afghanistan-Museum gerne ein Essen mit einer Auswahl typischer
orientalischer Gerichte, Fladenbrot, Salaten und einem kleinen Dessert. (CHF 50.- pro Person, exklusive Getränke)
Unsere Halle eignet sich für Gruppenanlässe wie Geburtstagsfeiern, Jahresversammlungen, Vereins- und Club-Treffen,
Weihnachtsanlässe, Familienanlässe, etc.
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